“Halten Sie Ausschau nach dem Reiher – er ist überall”, sagt Kenshi Katano, Mitarbeiter des Dogo Onsen. Katano führte aus: “Sie können ihn in den Emblemen und Entwürfen rund um das Gebäude entdecken. Es gibt sogar einen auf dem Dach. ”

Der Legende nach, wies ein weißer Reiher auf die natürliche heiße Quelle hin, die vor über 3000 Jahren in Dogo in Matsuyama sprudelte. Anwesende sahen den Reiher sein verletztes Bein in das heilende Wasser tauchen und er heilte sich von selbst. Dies war der Beginn des Dogo Onsen, der ältesten Onsen-Quelle in Japan.

Das Hauptgebäude oder auch Honkan genannt, wurde 1894 gebaut und bietet Platz für Tausende von Badegästen und Besuchern, die jeden Tag durch seine Pforten strömen. Etwa 800.000 Menschen besuchen jedes Jahr die Bäder, etwa 2.000 an regulären und 8.000 an Feiertagen.

Das Gebäude könnte Ihnen bekannt vorkommen. Es inspirierte die heiße Quelle, welche in Miyazaki Hayaos hochgelobtem Ghibli Animationsfilm “Chihiros Reise ins Zauberland” (engl. „Spirited away“) zu sehen ist. Laut Katano gab es einen regelrechten Besucheransturm, nachdem der Film weltweite Aufmerksamkeit erlangt hatte. Es ist sogar im berühmten Michelin Führer zu finden.

Als wir auf den Ticketschalter zugehen, führte mich Katano um die Außenseite des Gebäudes herum. Er zeigte auf den Reiher auf dem Wachturm des Daches.

“Sehen Sie die Richtung, in welche er zeigt?”, fragte Katano.

Ich konnte sehen, dass die hoch angebrachte Statue des Reihers vom wuseligen Eingang abgewandt war – sie zeigte nach Norden.

“Der alte Eingang befand sich auf der Nordseite des Gebäudes, man erkennt immer noch die alten Eingänge zu den verschiedenen Bädern”, erklärte Katano als Beweis für die Verwandlung des Dogo Onsens während der Jahrhunderte. “Sie spielen immer noch dreimal am Tag eine Taiko Trommel vom Wachturm aus: um 6 Uhr, wenn das Onsen öffnet, um 12 Uhr und um 18 Uhr. Dies ist eine Tradition aus einer Zeit, als die Leute noch keine Uhren trugen.”, so Katano.

Als wir weitergingen, kamen wir zum östlichen Eingang – gebaut und instandgehalten ausschließlich für den Gebrauch des japanischen Kaisers. Mein Ticket nach Dogo Onsen beinhaltete eine Führung durch die Kaiserliche Therme. Obwohl es ein berühmter Teil des Gebäudes ist, wurde das Bad nur wenige Male genutzt. Nichtsdestotrotz war die Pracht durch die goldenen und silbernen Shoji Blenden und der verstärkten Hartholzdecke (zum Aufhalten potentieller Attentäter) beeindruckend. Es war äußerst interessant zu erfahren wie das Ritual des kaiserlichen Bades ablief. Einschließlich der Tatsache, dass der Kaiser ein dünnes Seidenkleid trägt, wenn er badet.

Als Nächstes war ich an der Reihe, die berühmten Bäder selbst zu erleben. Als ich mich wusch und das Steinbad betrat, fühlte sich das Wasser anders an. Diese Steinbäder aus einem speziellen Granit aus Kagawa waren anders als die üblichen Bäder in Japan. Das Wasser machte meine Haut geschmeidiger und jünger zugleich.

Danach habe ich von Katano gelernt, dass das Wasser in Dogo gemischt und geheizt wird. In vielen Teilen Japans wird Quellwasser in Kesseln erhitzt, bevor es ins Bad geleitet wird. In Dogo aber ist das Wasser eine Mischung aus 18 natürlichen heißen Quellen, die alle mit Temperaturen von 20 bis 55 Grad aus der Erde aufsteigen. Das Quellwasser wird auf angenehme 42 Grad gemischt, bevor es in die Bäder fließt. Der milde Alkaligehalt des Wassers eignet sich besonders für Menschen mit empfindlicher Haut.

Sie können zusätzliche Pakete erwerben, um traditionellen japanischen Tee und Snacks zu genießen, während Sie sich nach dem Baden in Ihrer Yukata erholen. Es kann zwischen dem offenen Entspannungsraum oder, für eine kleine Extra-Gebühr, dem kleinen privatem Tatami-Raum gewählt werden. Welches Sie auch wählen, Abschalten nach Ihrem Bad ist eine der Freuden dieser Erfahrung.

Eine neue Dimension dieses Abenteuers eröffnet sich, da die weltberühmte japanische Fotografin und Regisseurin Mika Ninagawa eine temporäre Ausstellung ausrichtet. Sie ist berühmt für ihren Einsatz von lebendigen Farben und Blumenmustern und enttäuschte auch nicht im Dogo. Die hellen Farben verleihen diesem ansonsten sehr traditionellen Ambiente eine interessante, moderne Note.

Mir ist aufgefallen, dass das Dogo Onsen aktiv großartige Kunstprojekte und Installationen kreiert. Spazieren Sie durch die beliebte außengelegene Einkaufspassage und Sie werden Fotos und Kunstwerke zu verschiedenen Jahreszeiten von prominenten Künstlern zu sehen bekommen.

Ein klares Beispiel für die künstlerische und kreative Leitung vom Dogo Onsen ist das neu eröffnete Badehaus “Asukanoyu”. Nur 100 Meter vom Hauptgebäude entfernt, wurde diese geschmackvoll gestaltete heiße Quelle geschaffen, um das Dogo Onsen wie in der Asuka Periode (592 n.Chr. bis 710 n.Chr.) darzustellen.

Sie luden Spitzen- und Kunsthandwerker aus der ganzen Region ein, um neue und manchmal auch gewagte Installationen zu gestalten, wobei sie stets traditionelle Materialien und Arbeitsmethoden verwendeten. Die wunderschönen, kompliziert gestalteten Designs auf den japanischen Washi Papier Bannern, die sich über die Eingangshalle erstrecken, sind umso erstaunlicher, wenn Sie hören, dass sie auf natürliche Weise überschüssige Luftfeuchtigkeit entfernen.

Das Bad selbst war eine Nachbildung der Bäder in Dogo, obwohl es einen Hauch aus dem 21ten Jahrhundert besitzt. Ab und zu taucht ein bewegliches Projektionsbild von Vögeln, Wolken und dem Himmel auf und bewegt sich über die Hauptwand.

Asukanoyu bietet Möglichkeiten für diejenigen, welche sich auf die Tour des kaiserlichen Bads begeben möchten und sich danach sehnen, das Ganze einmal selbst zu erleben. Es wurden zwei exakte Nachbildungen der kaiserlichen Badekammern geschaffen, die man für die Privatnutzung reservieren kann. Sie bieten sogar eine moderne Variante des kaiserlichen Bademantels an.

Ich fühlte mich tief in die Geschichte eingetaucht, als ich in Dogo badete. Während ich mich in das warme Wasser zurücklehnte, fühlte ich ein seltsames Gefühl der Verbindung mit der Vergangenheit und der Zukunft. Ein Gefühl der Verbundenheit mit den zahllosen Menschen, die durch die Jahrhunderte in diesen Wässern waren und denjenigen welche noch in den nächsten Jahrhunderten kommen werden. Es war eine kostbare Erfahrung und man sollte sie bei keiner Reise nach Shikoku und Matsuyama verpassen.

Fotos & Text von Tom Miyagawa Coulton