Die Präfektur Hyogo produziert in Japan 30 Prozent aller nihonshu, a.k.a. Sake. Berühmt für sein reines, köstliches Wasser – eine wichtige Zutat für Qualitätssake – erzeugt die Region weiterhin einige von Japans berühmtesten Sake. Und mit Firmen wie Kiku-Masamune und Hakutsuru in der Region ist es kein Wunder.

Ich steige aus meinem Kobe-Zug an der Station Uozaki aus und gehe Richtung Fluss. Es regnet und das klare Wasser neben mir überholt mich mit Leichtigkeit. Nach einem 10-minütigen Fußweg komme ich bei Kiku-Masamune an, einer 350 Jahren alten Sake-Brauerei.

Kiku-Masamune und die nahe gelegene Hakutsuru-Brauerei bieten einen überraschenden Schritt in die Vergangenheit, raus aus der jazzigen modernen Umgebung von Kobe. Die Gegend weist mehr Wohngebäude als Fabriken und Lagerhäuser auf, was das Kulturerbe in diesen beiden Museen umso interessanter macht.

Ich gehe durch die alten Wände des historischen Gebäudes und erfahre nach einem kurzen Halt an der Rezeption, dass ich eine persönliche Führung bekomme. Mein Gepäck wird in Empfang genommen und für mich aufbewahrt, während ich in die Welt von Kiku-Masamune Nihonshu eingeweiht werde.

Gleich nach der Rezeption steht ein Stuhl, auf dem einst Kaiser Hirohito saß, als er hier zu Beginn seiner Regentschaft zu Besuch kam. Heute ist Kiku-Masamune weiterhin einer der Produzenten, die Nihonshu für das Kaiserhaus brauen. Es gibt Fotos von der kaiserlichen Familie, darunter der nächste Kaiser, der sehr junge Kronprinz Naruhito.

Ich lasse das Kaiserhaus hinter mir und werde in einen höhlenartigen Raum voller archaischer Maschinen und Werkzeuge geführt. Ich freue mich immer über alte Apparate und liebe es herauszufinden, wie Dinge, die wir heute noch genießen, vor hunderten, wenn nicht tausenden von Jahren getätigt wurden, bevor der Mensch den Strom hatte.

Es ist interessant, die historischen Ursprünge der Nihonshu-Herstellung zu sehen. Mein Museumsführer zeigt mir, dass jedes Display einen QR-Code hat, der Informationen in mehreren Sprachen bereitstellt. Jeder Besucher kann eine QR-App herunterladen, ein Foto aufnehmen und alles auf dem Smartphone lesen.

Damals mussten die Arbeiter den Reis mit ihren Füßen zerstampfen, ähnlich wie bei den Weinbauern auf der ganzen Welt. Aber da die Sake-Saison in den kalten Monaten ist, musste dies bei eisigem Wetter ohne Pause stundenlang gemacht werden.

Sie könnten Stunden damit verbringen, die Handwerkskunst der ausgestellten Werkzeuge und die Feinheiten dieses erstaunlichen, ehrwürdigen Prozesses zu bewundern.

Kiku-Masamune ist berühmt für trockenen Sake und im Verkostungsraum stehen Köstlichkeiten aus allen Phasen des Prozesses. Sie können Nihonshu in seiner rohen Form probieren, bevor es verstaut wurde, um sich zu diesem klaren Gleichgewicht der Perfektion zu entwickeln, das die meisten von uns als Sake kennen.

Nur einen kurzen Spaziergang die Straße hinunter ist der Riese unter japanischem Sake, Hakutsuru, was “Weißer Kranich” bedeutet. Hier finden Sie eine Reihe von Nihonshu; von Japans bestverkauftem Maru bis zu High-End-Flaschen im Wert von $200 USD.

Ich gehe zum Verkostungstresen und finde glücklicherweise einige Proben des Hakutsuru, an denen sich Besucher frei bedienen dürfen.

Hakutsurus 275-jährige Geschichte wird in der alten Brauerei ausgestellt, die heute als Museum fungiert. Lebensgroße Modelle zeigen realistische Szenen des schmerzhaften, aber traditionellen Nihonshu-Herstellungsprozesses. Es sieht wahrhaftig nach harter Arbeit aus!

Mein Tourguide erzählt mir, wie die Arbeiter während der Arbeit oft gesungen haben. Nicht nur aus Vergnügen, sondern auch um die Zeit nennen zu können – immerhin gab es damals noch keine Armbanduhren. Wir gehen weiter zu den Dioramen und als ich mir die auf riesigen Holzfässern stehenden Männer genauer anschaue komme ich nicht umhin, als kurz innezuhalten und darüber nachzudenken, wie gefährlich diese Arbeit gewesen sein muss.

Werkzeuge mit Namen wie kaeru, uma und kitsune gao – weil sie Fröschen, Pferden und Fuchsgesichtern ähnlich sehen – erinnern daran, wie nahe die Menschen zur Natur standen, bevor es Industrialisierung und Massenmedien gab.

Die Arbeiter legten den gekochten Reis zum Kühlen auf den Dachboden der Brauerei aus, was wiederum den Schimmel aus dem Holzbau durch die Luft in den Reis brachte und ihn so in Sake verwandelte.

Ich ging nach diesem langen Spaziergang durch die alten Brauereien und einer Tasche voller neuen leckeren Sake für meine Freunde nach Hause – was brauche ich mehr?

Fotos von Peter Chordas, Text von Julian Littler