Das Iwaso Gästehaus ist ein Rätsel. Nur einen Steinwurf von Miyajimas überlaufenden Itsukushima-Schrein und den Geschäften entfernt, bleibt dieses denkwürdige Ryokan eine Oase der Ruhe und des Friedens.

Das Gästehaus liegt neben einem Bach, der durch den Momijidani Park fließt, welcher für sein Dickicht aus tausenden japanischen Ahornbäumen bekannt ist. Im Herbst strahlen die Bäume um Iwaso in Rot, während sie in ihr Herbstgewand wechseln.

Alle Zimmer in Iwaso sind in einem traditionellen japanischen Stil eingerichtet und befinden sich in separaten Gebäuden – dem Hauptgebäude, dem neuen Gebäude und den separaten “Hanar” -Hütten. Jedes hat seine eigenen Vorzüge und Atmosphäre.

“Als ausländische Gäste vor 10 Jahren in größerer Zahl ankamen, spielten wir mit der Idee, Betten aufzubauen und unsere Zimmer westlicher einzurichten”, sagt Tamaki Iwamura, die Besitzerin in der 7. Generation des Iwaso Gästehauses. “Aber wir haben uns dazu entschieden, den traditionellen japanischen Stil zu bewahren, denn dieser ist Teil der Erfahrung.”

Es hat sich als die richtige Entscheidung erwiesen. Heute kommen 30% bis 40% der Gäste von Iwaso aus Übersee, erfreut über die traditionelle japanische Atmosphäre des Gästehauses.

Ich wohnte in “Ryomontei”, einer der individuellen Hanar Hütten, die in den 1900er Jahren gebaut wurden. Die antiken Fenster des Hauses öffneten sich in Richtung der grünen Momijidani Wälder. Das einzige Geräusch, das man hören konnte, war der Bach, der in einer unterhalb gelegenen moosgrünen Schlucht strömte. Auch nachts konnte man noch die Aussicht genießen, da die Bäume alle in ein elegantes Licht getaucht waren.

Seit der Eröffnung des Iwaso Gästehauses im Jahr 1854 ist es ein fester Bestandteil von Miyajima. Im selben Jahr traf Commodore Perry mit seinen schwarzen Schiffen ein, um mit Japan Handel zu treiben. Aufgrund seiner typisch japanischen Atmosphäre, war das Gästehaus im Laufe der Jahre das Ziel der Wahl für Würdenträger und Prominente.

Jeder Aspekt von Iwaso ist faszinierend und erinnert an seine jeweilige Rolle in der Geschichte. Der letzte Feudalherr von Hiroshima, Nagakoto Asano, gab der Hütte den Namen “Ryumontei”. Es gibt ein Gerücht, dass Audrey Hepburn während ihres Besuchs in Miyajima in meinem Zimmer war. Gleich nebenan ist die kaiserliche Residenz – eine Hütte, die ausschließlich für die königliche Familie gebaut wurde und von ihr genutzt wird.

Wie zu erwarten, sind sämtliche Einrichtungen eines Kaisers würdig. Der zarte Duft von japanischem Weihrauch begrüßt Sie, wenn Sie die Lobby betreten. Das gesamte Dekor und die Möbel sind geschmackvoll ausgewählt. Nachdem ich mich niedergelassen hatte, tauchte ich in das Onsen und das Außenbecken. Das Abendessen war ein makellos verarbeitetes Kunstwerk.

“Unsere Menüs ändern sich mit den Jahreszeiten, daher versuchen wir die meisten Zutaten aus Hiroshima zu beziehen”, erklärt Iwamura. “Der Fisch stammt aus dem Seto Binnenmeer und andere hochwertige Zutaten stammen aus ganz Japan.”

Zum Glück habe ich meinen Besuch mit der Austernzeit abgestimmt. Da Hiroshima der führende japanische Austernproduzent ist, hatte ich große Erwartungen und Iwaso hat mich nicht enttäuscht. Die riesigen gedämpften Austern, die mit meinem Gericht kamen, waren köstlich. Auch die anderen Gerichte von der Speisekarte waren so zart verarbeitet, dass es eine Schande war, sie mit meinen Essstäbchen zu knacken.

Meine früheren Besuche in Miyajima waren Tagesausflüge gewesen. Ich sah keine Notwendigkeit über Nacht zu bleiben, wenn ich alles in einen Tag stopfen und dann die Fähre zurück zum Festland nehmen konnte. Aber die Übernachtung in Iwaso zeigte mir eine andere Seite von Miyajima. Die Abendruhe der Insel, nachdem die Besuchermassen nach Hause gegangen waren. Die Erfahrung war insgesamt um einiges reicher.

“Im Gegensatz zu den Ryokans in anderen Teilen Japans sind die Gäste, die nach Iwaso kommen, die meiste Zeit unterwegs. Es gibt so viel zu sehen und zu unternehmen auf der Insel”, sagt Iwamura. “Unsere Kompetenz ist es, die Zeit, welche unsere Gäste in Iwaso verbringen, so lohnend wie möglich zu machen.”

Ich überdachte diese Worte bei meinem gemütlichen Spaziergang, um den Schrein und das Tor in der Stille des Abends noch einmal zu besuchen. Inzwischen war Flut und das leuchtend zinnoberrote Tor tanzte sanft auf dem sich kräuselndem Wasser. Mir wurde klar, dass ich inmitten einer Erinnerung steckte, welche ich auch lange nachdem ich diese Küste verlassen hatte, zu schätzen wüsste.

Miyajima bietet so viel für einen Reisenden und sollte in vollen Zügen genossen werden. Es ist ein perfektes Erlebnis, welches durch den luxuriösen Aufenthalt in Iwaso abgerundet wird.

Fotos & Text von Tom Miyagawa Coulton

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