Schlendern Sie durch den berühmten Schrein von Miyajima, fotografieren Sie das Torii-Tor und posieren Sie mit eifrigen Hirschen. Das alles ist bei einer Reise nach Hiroshimas berühmtem Weltkulturerbe Pflicht. Wer sich nach etwas Training sehnt, um vorherige Sushi-Abendessen zu verbrennen, sollte Miyajimas berühmten Berg Misen erklimmen. Das ist der perfekte Weg, um gleichzeitig die Aussicht zu genießen und zu trainieren.

Natürlich nutzen die meisten Besucher die bequeme Seilbahn um auf den Berg zu kommen. Die Fahrt dauert 20 Minuten mit einem Umstieg auf halber Strecke und die Aussicht aus der Gondel ist atemberaubend. Obwohl die Seilbahn den Großteil des Fußweges überbrückt, gibt es im Anschluss immer noch einen 30-minütigen Anstieg von der Seilbahnstation, wenn Sie den Gipfel erreichen wollen.

Für Wanderfreunde gibt es drei gut ausgebaute Routen, die vom Fuß des Berges bis zur Spitze führen: die Momijidani Route, die Daishoin Route und die Omoto Route.

Die Momijidani Route – die kürzeste und beliebteste – beginnt im Momijidani Park in der Nähe der Seilbahnstation und schlängelt sich entlang des malerischen Momijidani Flusses. Die Daishoin Route ist die anstrengendste der Drei und gerade wenn Sie denken, dass Sie es geschafft haben, erwarten Sie in der Nähe des Eingangs zum Daishoin Tempel immer noch über 2.000 Steinstufen. Obwohl nicht so herausfordernd wie die anderen, ist die Omoto Route mit ca. 3,2 km die längste und beginnt am Omoto Schrein.

Die Zeiten für alle drei Routen reichen von 90 Minuten bis zu 2,5 Stunden, je nachdem, wie schnell Sie sind. Ein beliebter Weg bei Wanderern ist es, die Momijidani Route zum Aufstieg zu nutzen und über die Stufen der Daishoin Route herabzusteigen. Wenn Ihre Beine anfangen zu brennen, können Sie jederzeit auf den Gipfel klettern und die Seilbahn nutzen.

Mein Weg auf der Momijidani Route war anstrengend, aber schön erfrischend. Ich war aufgeregt und außer Atem, aber gleichzeitig gab die saubere Waldluft meinem Körper eine dringend benötigte Entgiftung. Irgendetwas beim Wandern durch den unberührten Urwald auf dem Berg Misen gibt einem einen regelrechten Energieschub. Trotz alledem habe ich auf dem Weg nach oben die Rastplätze mit den malerischen Aussichten sehr geschätzt.

Vor dem Gipfel erreichen Sie die Reikado Halle und die Misenhondo Halle. Beide wurden an der Stelle errichtet, an welcher der legendäre buddhistische Mönch Kobo Daishi 100 Tage in esoterischem buddhistischen Training verweilte.

In der Reikado Halle sehen Sie einen schwarzen Topf, der über einer Feuerstelle köchelt. Besuchern steht es frei das Wasser im Kessel zu probieren. Es wird angenommen, dass es die Macht hat, sämtliche Krankheiten zu heilen. Das war genau die richtige Medizin nach der langen Wanderung.

Das winzige Feuer unter dem Topf (bekannt als die “Ewige Flamme”) brennt ununterbrochen, seit Kobo Daishi es vor 1200 Jahren angezündet hat. Es wird auch verwendet, um die Friedensflamme im Peace Memorial Park in Hiroshima anzuzünden.

Der Gipfel ist nur einen kurzen Anstieg von den beiden Hallen entfernt. Der Weg schlängelt sich um hochragende Felsblöcke welche teilweise den Blick auf die kommende Aussicht freigeben.

Die vorherige Anstrengung zum Erklimmen des Gipfels wird mit Befriedigung und dem Gefühl etwas geschafft zu haben belohnt. Die Erholung auf der stilvollen Holzterrasse mit der kühlen Brise ist das perfekte Gegenmittel zur Bergwanderung.

Der Panoramablick von oben verschlug mir den Atem. Die Aussicht vermittelt einen wahren Eindruck von der Pracht des Seto Binnensees. Im Japanischen gibt es das Wort “tatoubi”, welches “die Schönheit vieler Inseln” bedeutet. Dieses Wort beschreibt perfekt, was Sie auf dem Gipfel des Berges Misen sehen.

Einige Ratschläge – tragen Sie gute Schuhe und denken Sie daran, genügend Wasser einzupacken. Selbst im Land indem es an jeder Ecke Automaten gibt, findet man auf dem Berg Misen bis kurz unterhalb des Gipfels keinen einzigen.

Fotos & Text von Tom Miyagawa Coulton